Freund der Berge

econova berichtet über den Reiseblogger Markus Schmidt

Im Wirtschaftsmagazin eco.nova ist in Tirol diese Geschichte über den Reiseblogger erschienen. Dankeschön dafür. Hier der Wortlaut, Text: Marina Kremser.

Es ist schön, wenn man sagen kann, man habe sein Hobby zum Beruf gemacht. Markus Schmidt kann das. 

Er habe immer schon gerne geschrieben, erzählt Markus Schmidt, als wir uns zum entspannten Plaudern treffen. Kurz habe er auch überlegt, Journalismus zu studieren. Es ist dann BWL geworden. „Das Thema Marketing hat mich schon immer fasziniert. Da lag dann doch ein bisschen mehr Herzblut darin als im Journalismus“, sagt er. Heute hat er nach verschiedenen beruflichen Stationen beides vereint und ist Reiseblogger, also einer, der davon erzählt, wie es ist auf Wanderschaft in den Bergen, beim Wellnessen im Hotel oder beim Rodeln mit den Kindern.

Wenn man Markus Schmidt trifft, muss man sein vorgefertigtes Klischeebild eines Bloggers ganz flugs revidieren. Er ist keines dieser affektierten jungen Dinger, die alles supi, mega, hyper und bäm finden. Er ist einer, der einfach gern unterwegs ist und andere daran teilhaben lässt. Unprätentiös und authentisch. Dass das auch richtig harte Arbeit ist, hat er uns nebst anderem in den Swarovski Kristallwelten erzählt. Dass wir mit ihm per Du sind, ist im Magazin zwar eine Ausnahme, aber seinem Genre entsprechend quasi folgerichtig …

 

eco.nova: Warum bist du Reiseblogger geworden?

Markus: Zum einen macht es mir wahnsinnigen Spaß, meine Umgebung zu erkunden, draußen zu sein und rumzukommen. Auf der anderen Seite habe ich gemerkt, dass es die Leute interessiert, wenn ich meine Erlebnisse mit ihnen teile. Wenn ich in einer Region unterwegs bin und auf einen Berg hinaufwandere, dann gibt es viele andere Menschen, die das auch gerne machen möchten und damit schon vorab einen ersten Eindruck davon bekommen. Ich komme aus dem Marketing und habe mir gedacht, das müsste doch auch für eine Bergbahn, einen Hotelier oder Hüttenwirt, eine Tourismusregion interessant sein, diese Menschen zu erreichen. So kam es zu interessanten Kooperationen.

Im englischsprachigen Raum ist diese Art des Marketings nicht unüblich, in der kleinteiligen Alpenregion gibt es das in dieser Form quasi noch nicht, zumindest kenne ich niemanden, der das Reisebloggen derart auf eine Region spezialisiert betreibt, wie ich.

Reiseblogger Interview Tirol

Kannst du vom Blogger-Dasein leben?

Tatsächlich ja. Der Vorteil ist, dass ich ein Stück weit BWLer bin und mir schon im Vorfeld darüber Gedanken gemacht habe, wie sich diese Leidenschaft fürs Schreiben kommerzialisieren lässt. Ich erzähle Geschichten und erzeuge damit und mit Bildern und teils Videos dazu Emotionen, was eine klassische Werbeanzeige in dieser Form nie leisten kann. Das erkennen auch immer mehr Unternehmen. Salewa zählt zu einem meiner größten Kunden.

Das Medium Blog entwickelt sich stetig weiter und erfindet sich immer wieder neu. Deshalb ist man mit seiner Arbeit auch nie fertig, ein Ende der Fahnenstange gibt es nicht. Ich bin sehr zufrieden, wie es im Moment läuft, weil ich merke, dass die Geschichten ankommen. Wenn ich festgestellt hätte, dass keiner lesen will, was ich erlebe, dann hätte ich mir anderweitig Gedanken machen müssen. Dann ist auch der Spaßfaktor weg, abgesehen davon, dass es finanziell nicht tragbar wäre. Ich darf im Moment in einer Komprimiertheit Dinge erleben, die andere ein ganzes Leben lang nicht erleben dürfen. Den Leuten macht es Freude, mit mir mitzuleben und das wiederum macht den Kunden Freude, weil sie merken, dass sie daraus einen Mehrwert ziehen können. Ich muss zugeben, dass ich die Arbeit anfangs unterschätzt habe, ich entwickle mich aber auch selbst immer weiter und das rechtfertigt den Aufwand letztlich auch für mich persönlich.

 

War es von Anfang an der Plan, das Bloggen zum Beruf zu machen oder hat sich der Beruf aus dem Bloggen ergeben?

Es war durchaus so geplant. Natürlich hat die Welt nicht auf mich gewartet, deshalb bin ich anfangs bei der Akquise auch kurz echt verzweifelt. Aber wenn man eine gewisse Reichweite und ein paar erste Kunden hat, dann läuft es. Es ist spannend zu sehen, dass immer mehr Firmen merken, was mit diesem Medium machbar ist und welches Potenzial darin steckt.

Tourismusmarketing hat vor 20 Jahren noch gänzlich anders – und wahrscheinlich auch einfacher – funktioniert. Man hat eine Anzeige in einer großen Tageszeitung geschalten und sich dadurch Aufmerksamkeit erkauft. Damit konnte man nicht viel falsch machen. In der heutigen Zeit muss man die Menschen anders erreichen, man muss Begehrlichkeiten wecken. Das funktioniert über einen Blog wunderbar, weil die Geschichten aus dem Leben gegriffen sind. Es ist, wie es ist. Deshalb ist es wichtig, authentisch zu bleiben und sich nicht selbst zu „verkaufen“, weil man schnell unglaubwürdig wird. Das würde das System ad absurdum führen.

 

Ist es schon mal passiert, dass du mit einem Kunden gar nicht konntest bzw. wie geht man damit um?

Natürlich kann es passieren, dass ich mit einem Kunden nicht auf einer Wellenlänge bin. Ich sage dann auch ehrlich, dass es nicht passt. Wenn ich einen Kunden habe, von dessen Produkt ich nicht überzeugt bin, kann und will ich es auch nicht empfehlen. Vielleicht bin ich da auch ein bisschen bockig.

Ich hatte mal einen Kunden, der es ziemlich cool fand, was ich mache. Allerdings hat er für den Blogpost einen eigenen Text vorbereitet. Das ist zwar ein schöner Ansatz und würde mir echt viel Arbeit ersparen, aber es ist nicht mein Verständnis von meinem Tun. Ich muss mir die Zeit nehmen, die Dinge so zu erleben, wie ein Gast es normalerweise tut, ohne Sonderbehandlung und Firlefanz. Wir haben es schließlich auf meine Weise gemacht und der Kunde war sehr zufrieden. Es kommt also durchaus vor, dass die Leute mitreden möchten. Ich glaube, sie meinen es auch gar nicht böse. Viele wissen schlichtweg (noch) nicht, was ein Blogger macht und wie das Medium eigentlich funktioniert.

 

Und wie funktioniert die Zusammenarbeit? Inwieweit soll/darf/muss sich der Kunde einbringen?

Es gibt vorab immer ein sehr detailliertes Gespräch, weil ich den Menschen hinter dem Produkt kennenlernen möchte. Ich muss wissen, wer auf der anderen Seite sitzt, ich muss verstehen, wie er tickt. Gleichzeitig ist es mir wichtig, zu definieren, was ich leisten kann, wenn wir zusammenarbeiten. Dann braucht es eine grobe Zielvorgabe, wobei es natürlich nie eine Garantie dafür gibt, egal wie viele Follower man hat und wie hoch die Zugriffszahlen sind, dass jemand das Produkt kauft, eine Hütte besucht oder in ein Hotel auf Urlaub fährt. Doch das ist generell das Problem von Werbung. Aktiv einbringen müssen sich die Kunden anschließend nicht mehr. Letztlich geht es darum, dass ich das Produkt oder die Dienstleistung selbst erleben und spüren muss und meinen Eindruck wiedergebe.

 

Gehst du, seit du beruflich bloggst, mit einem anderen Blick durch die Welt?

Ja, schon. Ich merke, dass es immer schwieriger wird, das wirklich Besondere zu finden. Ich erlebe so viele tolle Dinge, dass diese Schönheit für mich alltäglich wird. Manchmal tu ich mir schwer, zu differenzieren. Ich habe diesen Sommer extrem viel erlebt, dass ich nicht mal sagen kann, was das Schönste für mich war. Dadurch befinde ich mich aber auch immer auf einem gewissen Grundstresslevel, weil ich mir ständig Gedanken darüber mache, wie sich meine Erlebnisse in Text und Bild am besten verpacken lassen. Ich lasse mich nicht mehr einfach auf Situationen ein und schaue was passiert, sondern habe immer schon ein gewisses Key-Visual im Kopf oder überlege mir, was die Leute besonders am Thema interessieren könnte.

 

Bist du überhaupt noch privat unterwegs?

Selten. Ich versuche es natürlich, sonst dreht man irgendwann durch, aber die Arbeit nimmt schon sehr viel Zeit in Anspruch. Es geht nicht nur darum, das Draußen wahr- und in sich aufzunehmen. Ich brauche sicher doppelt so viel Zeit am Computer, um ein Grundgerüst für den Blog und dann auch den Post selbst zusammenzustellen. Im Hintergrund wird organisiert und koordiniert. Insofern frisst die Administration mehr Zeit als ich dachte. Aber ich darf mich nicht beschweren. Ich bin sehr happy mit dem, was ich tue. Es ist ein geiler Job, der eben auch ein paar Nebenerscheinungen hat.

Die Reiseblogger Wintertipps im Wirtschaftsmagazin econova

 

Machst du noch klassisch Urlaub?

Manch einer findet ja, ich mache das ganze Jahr Urlaub. So ist es leider nicht. Das ist tatsächlich Arbeit. Wir wollten heuer im Sommer Urlaub machen, das heißt für uns im Großen und Ganzen, einmal nichts zu tun. Wir sind also ein paar Tage zu Hause gewesen und haben nichts gemacht. Doch bald ist jedem fad geworden und ich hab einfach ein Projekt vorgezogen. Für mich ist Urlaub, wenn ich auf den Berg gehe, kein Foto mache und keinen Text darüber schreibe. Das sind eher Stunden-Auszeiten. Aber sagen wir es so: Ich mache einen Job, von dem ich mich nicht im Urlaub erholen muss. Ich arbeite sehr viel, wie jeder andere auch, der seinen Job liebt. Der Vorteil ist: Wenn du etwas wirklich gerne machst und dafür brennst, wenn es dich juckt, noch das letzte Quäntchen rauszuholen, dann ist es egal, wenn du ein paar Stunden länger als geplant vor dem Computer hockst. Ich habe in meinem Job meine Erfüllung gefunden.

 

Gibt es etwas, das du unbedingt noch erleben möchtest?

Es gibt eine ganze Liste! Ich habe diesen Sommer wahnsinnig viel von dem gemacht, was ich immer schon mal machen wollte und trotzdem bin ich nicht fertig geworden. Das ist auch gut so, finde ich, denn was macht man, wenn die Liste abgearbeitet ist? Von dem her ist es ganz ok, dass es immer noch viel zu entdecken gibt.

 

Wird die Liste denn jemals abgearbeitet sein?

Ich hoffe nicht. Vielleicht wird mein Schaffen einen anderen Radius einnehmen oder sich der Blog inhaltlich verändern. Ich bin derzeit hauptsächlich im Karwendel unterwegs und unternehme viel mit der Familie. Meine Frau und meine zwei Kinder, sie sind 8 und 13, sind oft dabei. Die Frage ist, was wird in zehn Jahren sein, wenn sie nicht mehr mittun möchten? Vielleicht erzähle ich dann aus einer anderen Perspektive oder die Themen wandeln sich. Ich weiß es nicht, aber das ist auch das Schöne daran: Man weiß nie, was passiert.

Das sind die Reiseblogger Wintertipps

Du hast im Anschluss ein paar Wintertrends zusammengestellt. Gibt es ein persönliches Highlight für dich?

Richtig toll finde ich den Winter-Weiterwanderweg in Seefeld. Wenn man tagelang im Schnee dahinwandert, das ist echt geil. Das hat mich sehr berührt. Ich bin im Sommer schon drei, vier Tage durchs Karwendel gewandert, das hat auch seinen Reiz. Aber im Winter ist das etwas anderes. Im Sommer hörst du das Kuhbimmeln, triffst viele Leute und Mountainbiker, im Winter bist du hier komplett weg von allem. Der Schnee schluckt den Lärm, man geht vor sich hin, hat Sonne und Schatten, muss sich bewegen, weil einem sonst kalt wird. Und du gehst und gehst und gehst.

Bist du generell eher ein Winter- oder Sommermensch?

Eigentlich eher ein Sommermensch, aber der letzte Winter war so genial, da hab ich es mir fast ein bisschen anders überlegt. Die Schneewanderung durchs Karwendel hat es mir echt angetan und ich habe viele Skitouren gemacht, sodass der Winter für mich einen neuen Charme bekommen hat. Im Sommer ist man oft sechs Stunden und mehr unterwegs, im Winter erlebt man das selbe in viel kürzerer Zeit. Die Sonne kommt gegen zehn oder elf Uhr raus und ist um 14 Uhr wieder weg. Man hat also drei, vier Stunden am Tag, die richtig lässig sind. Davor ist es kalt und danach ist es kalt. Von dem her erlebt man den Winter viel konzentrierter. Der Winter hat bei mir persönlich stark aufgeholt.

Freund der Berge
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Das sind die Wintertipps vom Reiseblogger.

Zitat:

„Der Winterweitwanderweg hat es mir echt angetan. Der Schnee schluckt den Lärm und du gehst und gehst und gehst.“

Markus Schmidt